Nordamerika

US-Außenministerium leistet Abbitte für Deadnaming eines Sees

Das Deadnaming, also die Bezeichnung einer Person mit ihrem alten, bereits abgelegten Namen, ist eine ernste Angelegenheit und kann rechtliche Scherereien zur Folge haben. Auch das US State Department ist diesbezüglich ins Fettnäpfchen getreten. Es entschuldigte sich – bei einem Gewässer.
US-Außenministerium leistet Abbitte für Deadnaming eines Sees

Eine Posse von Astrid Sigena

In unserem genderfluiden Zeitalter, in dem der deutsche Staat den jährlichen Geschlechtswechsel leicht macht, kann es schon mal passieren, dass man bei der Anrede einer Person ins Schleudern kommt und das falsche Pronomen oder gar den früheren, mittlerweile falschen Vornamen gebraucht, der die einstige, bereits abgelegte Geschlechtszugehörigkeit offenlegt. Misgendering oder Deadnaming heißt das.

Dafür kann man in Deutschland sogar bestraft werden, sollte ein Gericht zu dem Schluss kommen, dass die falsche Anrede in böswilliger Absicht zur Herabwürdigung der betroffenen Transperson geschah. Es ist also angebracht, Vorsicht walten zu lassen.

Ist einem doch einmal im Eifer des Gesprächs das falsche Pronomen oder der "tote Name" herausgerutscht, empfiehlt die Fernsehlotterie (offenbar eine Expertin in Fragen der Gender-Etikette) eine Entschuldigung:

"Wenn du selbst versehentlich den Deadname einer anderen Person verwendest: Entschuldige dich kurz und aufrichtig: 'Das tut mir leid, ich meinte [richtiger Name].' Korrigiere dich sofort und bausche die Situation von deiner Seite nicht weiter auf. Lerne daraus und verwende in Zukunft konsequent den korrekten Namen."

Diesen goldenen Rat beherzigte offenbar auch das Außenministerium der Vereinigten Staaten. In der Nacht auf Samstag (deutscher Zeit) veröffentlichte es auf seinen Profilen in den sozialen Medien eine Entschuldigung. Anlass war die Verwendung eines bereits abgelegten Namens auf der Internetpräsenz des State Departments.

Kurios allerdings: Das Opfer des Deadnamings war ein Gewässer, genauer gesagt, der kleinste der fünf Großen Seen an der Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada. Bekanntlich hatte US-Präsident Donald Trump den See diese Woche von "Lake Ontario" in "Lake America" umbenannt. Die Homepage des Außenministeriums hatte offenbar das US-Konsulat in der kanadischen Großstadt Toronto weiterhin am Ontariosee lokalisiert.

Nun folgte die Entschuldigung und eine Änderung der Karte. Dazu schrieb das State Department: "Wir wurden darauf aufmerksam gemacht, dass der Lake America auf unserer Website fälschlicherweise als Lake 'Ontario' bezeichnet wurde. Wir haben diesen Fehler korrigiert und entschuldigen uns dafür, dass wir den See mit seinem früheren Namen bezeichnet haben."

Ob das US-Außenministerium damit möglichen Klagen von Aktivisten für die Rechte von Trans-Seen zuvorkommen oder sich gar – horribile dictu – über die Umbenennungsmanie von Präsident Trump belustigen wollte, ist schwer zu sagen. Fest steht, dass die Richtigstellung der US-Diplomaten bei den Social-Media-Nutzern für ausgiebigen Spott und reichlich Kreativität in den Kommentaren sorgte.

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