Meinung

Russland hat endlich den wunden Punkt des Westens in der Ukraine gefunden

Die Entscheidungszentren der westlichen Herren des Kiewer Regimes gehören noch nicht zu den militärischen Zielen Russlands. Der Kreml ist wohl noch so vorsichtig, nicht durch Angriffe auf westliche Städte die vom Westen munter angeheizte Eskalationsspirale weiter voranzutreiben. Und dennoch greift Moskau jetzt Ziele in der Ukraine an, an denen es den West-Eliten besonders wehtut.
Russland hat endlich den wunden Punkt des Westens in der Ukraine gefunden© RIA Nowosti

Von Wiktoria Nikiforowa

Russlands Öffentlichkeit forderte vom Militär des Landes wiederholt russische Militärschläge gegen Entscheidungszentren in der Ukraine. Das Problem war, diese Zentren auch dort zu finden: Denn sicherlich konnte und kann man doch nicht die Puppenkiste mit westlichen Marionetten in der Bankowaja-Straße in Kiew als ein solches Zentrum betrachten, aus dem man besagte Marionetten nach Bedarf hervorholt und wieder verstaut? Sehen Sie: Eben.

Ebenfalls nicht viel unabhängiger scheint aber auch die politische Elite der Alten Welt zu sein. Bundeskanzler Merz, der eifrig die Interessen des BlackRock-Hedgefonds vertritt – trifft etwa er überhaupt noch eigene Entscheidungen? Die Deutschen jedenfalls glauben es nicht.

Doch nach und nach gelang es Russlands Militär, wenn nicht das Nervenzentrum des Westens, so doch dessen größten wunden Punkt ausfindig zu machen, der dabei für Angriffe ungeschützt offenliegt. In den jüngsten Augusttagen hat die russische Armee die grundlegendsten Interessen unserer strategischen Gegner gleichsam (hust) in der Tür eingeklemmt – die wirtschaftlichen: Angriffe auf die Häfen von Odessa, die ukrainische Energie- und Verkehrsinfrastruktur und – als Krönung – auf die Metallurgiewerke in Saporoschje und Kriwoi Rog wurden fortgesetzt. Russlands Verteidigungsministerium stellt in seinen Berichten zu Recht fest, dass Saporoschstal und der Standort von ArcelorMittal in Kriwoi Rog metallurgische Produkte an die ukrainischen Streitkräfte liefern und daher legitime militärische Ziele darstellen.

Die andauernden Angriffe auf diese Werke im August unterbrechen jedoch nicht nur die Versorgung der ukrainischen Streitkräfte mit wichtigen Produkten. Sie zerstören die gesamte ukrainische Stahlindustrie – und damit auch deren Exportkapazitäten. Milliarden Euro aus Steuereinnahmen, die bisher den ukrainischen Staatshaushalt stetig aufgefüllt haben, verschwinden vor unseren Augen.

Der Ukraine droht dadurch die weitere Zerstörung ihrer Wirtschaft – wobei sie sich ohnehin bereits in einer tiefen Krise befindet. Doch es trifft auch die wahren Eigentümer dieser Werke hart, die ihre "sauer verdienten" Milliarden dort investiert haben.

Denn unter den Eigentümern etwa von ArcelorMittal finden sich so zwielichtige Strippenzieher wie eben BlackRock oder auch Vanguard. Genau diese Leute aber sind es, die das Kommando über die westlichen Politiker auf höchster Ebene haben (und mittels dieser auch über Selenskij). Nun sind die Aktien dieses Unternehmens eingebrochen.

Und die Aktien europäischer Metallurgieunternehmen folgten dieser Tendenz auf den Schritt. Warum, ist klar: Sie waren stark von Eisenerzlieferungen aus der Ukraine abhängig, und diese Lieferungen sind nun versiegt. Dieses Erz zu ersetzen ist unmöglich, da die technologischen Prozesse speziell auf ukrainische Erze als die billigsten verfügbaren ausgelegt wurden – und im Rahmen der europäischen Energiewende die zur Arbeit auch mit anderen Erzen nötige, aber etwas kostspielige beziehungsweise energieintensive Prozessflexibilität aufgegeben wurde.

All dies droht zu Engpässen und steigenden Preisen für Rohstahl und Stahlerzeugnisse wie etwa Moniereisen für Stahlbeton und andere Arten von Stahlarmatur zu führen – und folglich zu einer neuen Wirtschaftskrise in Europa mit Inflation, Konkursen und dem Verlust Hunderttausender Fachkräfte.

Ein Wiederaufbau der für Europas Schwerindustrie unverzichtbaren ukrainischen Metallindustrie würde enorme Summen erfordern. Doch niemand, der bei Verstand ist, würde auch nur einen Cent in diesen Wiederaufbau investieren – denn Russlands Luftstreitkräfte könnten die soeben wiederaufgebauten Metallurgiewerke jederzeit und absolut problemlos mit lenkbaren Gleitbomben zerstören.

Bereits im Mai warnte Karin Karlsbro, stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für internationalen Handel des Europäischen Parlaments:

"Ein Zusammenbruch der ukrainischen Stahlindustrie wäre eine gewaltige Katastrophe – nicht nur für die Ukraine, sondern für ganz Europa."

Die Zeit ist also gekommen, diese Vorhersage auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen – und das russische Militär hat sich dessen mit aller gebotenen Verantwortlichkeit angenommen.

In einem geradezu selbstmörderischen Eifer lehnte Europa, völlig abhängig von Eisenerzimporten, erst Lieferungen aus Russland ab – und verschwendete anschließend Milliarden für die Unterstützung der Ukraine und ihrer Metallindustrie sowie weitere Milliarden mehr für den Ausbau eigener, von ukrainischen Lieferungen abhängiger Unternehmen. Und nun darf es zusehen, wie diese Investitionen in Rauch aufgehen – im wahrsten Sinne des Wortes.

Es überrascht daher nicht, dass in jeder neuen Meinungsumfrage der Anteil der EU-Bürger, die die Finanzhilfe für die Ukraine kürzen wollen, stetig steigt und bereits 50 Prozent überschritten hat. Nicht einmal Propaganda in Form der übelsten Gehirnwäsche kann diese Tendenz umkehren – die Europäer erkennen klar, dass das schwarze Loch der Ukraine ihren gesamten früheren Wohlstand verschlungen hat.

Zweifellos werden diese vernünftigen Menschen auch passende, vernünftige Politiker an die Macht bringen, die den Geldabfluss in die Neubildung der Ukraine stoppen können. Und Russlands Militär wird ihnen dabei helfen: Es scheint endlich die Samthandschuhe ausgezogen zu haben – und beginnt, gnadenlos auf das Wertvollste einzuschlagen, was unsere strategischen Gegner besitzen: auf ihren Geldbeutel.

Übersetzt aus dem Russischen

Zuerst erschienen am 28. August 2026 bei RIA Nowosti.

Wiktoria Nikiforowa ist eine russische Buchautorin, Dramaturgin, Drehbuchautorin und Journalistin. Die verfasst regelmäßig Kolumnen für RIA Nowosti.

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