
Ein Déjà-vu: Deutschland bereitet sich auf Krieg vor

Von Dmitri Petrowski
In Deutschland wird die Rückkehr zur Wehrpflicht immer intensiver diskutiert. Thomas Röwekamp (CDU), Vorsitzender des Verteidigungsausschusses des Bundestages, ist der Ansicht, dass dies notwendig sein wird, sollte sich das Konzept der Freiwilligenrekrutierung nicht bewähren. Und sie bewährt sich nicht.
Innerhalb eines halben Jahres verschickte die deutsche Regierung 300.000 Fragebögen, die von Männern ausgefüllt werden mussten, während Frauen dies freiwillig tun konnten. Letztendlich haben die Frauen die Initiative einfach ignoriert (nur vier Prozent füllten den Fragebogen aus), während sich die jungen Männer zwar fügten (wie könnte es auch anders sein!), sich aber nur 500 von ihnen zum Militärdienst meldeten. Offensichtlich nicht das Ergebnis, mit dem die deutsche Regierung gerechnet hatte.

Wir haben wiederholt darüber berichtet, dass sich die deutsche Gesellschaft verändert hat. Ein halbes Jahrhundert antimilitaristischer Propaganda hat ihre Wirkung gezeigt: Die Jugend will weder kämpfen noch einfach nur in der Kaserne herumhängen – selbst angesichts steigender Arbeitslosigkeit einerseits und hervorragender Gehälter bei der Bundeswehr andererseits ist der Militärdienst das Letzte, wofür sie sich entscheiden würde: das Los der Außenseiter. An einen Krieg mit Russland glaubt trotz der regelrechten Hysterie der offiziellen Propaganda kaum jemand, und selbst wenn, wollen sie an diesem Krieg nicht teilnehmen.
Das ist alles richtig. Nur zeigen die Ereignisse der letzten Jahre, dass es auf der Welt nichts Unumkehrbares gibt.
Während der Corona-Pandemie wurde denselben Deutschen eine der grundlegendsten Freiheiten genommen – die Bewegungsfreiheit – und abgesehen von ein paar Widerspenstigen hat die Gesellschaft dies hingenommen. Anschließend wurde der BRD durch die Sprengung der Nord-Stream-Pipelines der günstige Brennstoff entzogen – niemand hat auch nur einen Mucks von sich gegeben. Derzeit wird die deutsche Industrie von außen zermürbt und buchstäblich dazu gezwungen, auf Kriegskurs umzuschwenken. Es gibt keinen einzigen Deutschen (außer denen, die in der Regierung sitzen), der der Meinung wäre, dass das, was gerade geschieht, gut und richtig ist. Doch der eingeschlagene Kurs ändert sich nicht.
Deutschland hat im Jahr 2011, also vor etwa 15 Jahren, die Wehrpflicht abgeschafft. Der erste Bundeskanzler, der öffentlich für die Verbrechen des Nationalsozialismus Buße tat und vor dem Denkmal im Warschauer Ghetto auf die Knie ging, war Willy Brandt im Jahr 1970. Vom Zusammenbruch der UdSSR bis zum Konflikt in der Ukraine sind 30 Jahre vergangen, das heißt, etwa so lange wird Russland nicht als Bedrohung für den Westen angesehen.
Uns scheint es, als sei die Welt, in der wir bis vor Kurzem gelebt haben, normal, doch in Wirklichkeit existierte sie nur ganz kurze Zeit – aus historischer Perspektive gesehen war sie nur eine Randnotiz. Das pazifistische Deutschland, das Deutschland, das seinen historischen Fehler erkannt hat, ist ein Kleinkind im Vergleich zu dem Deutschland, das auf dem Exerzierplatz marschiert, Militärdoktrinen ausarbeitet und neue Waffen entwickelt.
Ein halbes Jahrhundert lang versuchten die Deutschen, die Welt davon zu überzeugen, dass sie Dichter, Musiker, Ingenieure seien – kurz gesagt: alles Mögliche, nur keine Nazis. Die Welt nickte zustimmend, glaubte es aber dennoch nicht ganz. Nach Ablauf des ersten Viertels des 21. Jahrhunderts hörten sie einfach auf, sich anzustrengen, und beschlossen, in einen gewohnten historischen Zustand zurückzukehren – und alle schienen wie erleichtert aufzuseufzen. Nein, die Jugend brennt nach wie vor nicht darauf, Krieg zu führen. Aber sie wird höchstwahrscheinlich nicht gefragt werden.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel wurde für den Telegram-Kanal "Exklusiv für RT" verfasst.
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